Reiselust

Verona – Liebe auf den ersten Blick

 

Es gibt Orte auf dieser Welt, die einen verzaubern. Orte, die man nicht mehr vergessen kann. Orte, an die man ein Stück seines Herzens verliert. Für mich ist eines dieser Orte Verona in Italien. Sicher kennen viele die Geschichte von Romeo und Julia die sich vor vielen vielen Jahren in Verona abspielt und dann gibt es da noch die darauf basierende Geschichte: Briefe an Julia. Mein Favorit! Wahrscheinlich da ich einfach hoffnungsvoll romantisch veranlagt bin und Träume und Geschichten für mich schon als Kind interessanter waren als die Realität. Kein Wunder also dass ich mir vornahm diese verträumte Stadt zu besuchen um einmal die Luft der Geschichte zu schnuppern.

Und ich war nicht enttäuscht, als ich an meinem ersten Tag durch die Altstadt schlenderte. Überall begegnete einem die Geschichte von Romeo und Julia. Wir besichtigten auch den berühmten Balkon von Julia, die Kulisse aus dem Shakespire Script. Doch viel mehr beeindruckte mich die Freundlichkeit der Einwohner und besonders der Restaurantbesitzer. Überall roch es nach Pizza und Pasta. Die meisten Restaurants waren Familienbetriebe und ich liebte es die Interaktion zwischen Vater und Sohn zu beobachten. Und während man so mitten im Geschehen saß, sich mit der Familie unterhielt und die frische Pizza genoss, hatte ich das Gefühl in Verona angekommen zu sein.

Wir waren im Mai dort, noch vor der Hauptsaison, was super entspannend war. Mit einem Eis in der Hand und Sonne auf der Haut ging es dann weiter. Ich wollte unbedingt die Sekretärinnen von Julia kennenlernen. Ja, die gibt es wirklich! Etwas versteckt in einer Seitenstraße fanden wir ihn: den Club di Guiletta. Ich war ein wenig aufgeregt als wir den Raum betraten. Vor uns sahen wir einen großen Holztisch mit vier Mädchen, die damit beschäftigt waren Liebesbriefe aus aller Welt zu beantworten. Und es sah so aus als hätten sie noch viel zu tun, denn überall stapelten sich Briefe in Körben und Kisten, verstaut in urigen regalen, alle nach Sprachen sortiert. Ich war total beeindruckt! Wow!Wir blieben natürlich nicht unbemerkt. Schnell kamen wir ins Gespräch mit den Mädchen, die ungefähr in unserem Alter waren. Sie machten beim Club die Guiletta momentan ein Praktikum und erzählten uns von ihrer Arbeit. Das würde mir auch Spaß machen, dachte ich mir. Während wir einige Briefe lasen, packte uns die Lust auch mitzuarbeiten. Wir fragten ob es in Ordnung wäre. Auf unseren Vorschlag folgte Begeisterung und schon saßen wir da, mit Blatt und Stift in der Hand. Bereit um allen Briefen der Welt eine Antwort zu schreiben. Doch wer meint, dass es sich hierbei nur um Liebeskummer und Liebesbriefe handelt liegt falsch. In den meisten Briefen liest man Verzweiflung, mit der Bitte auf ein paar Worte der Hoffnung. Über einige Geschichten war ich entsetzt. Was konnte man solchen Schicksalen bloß antworten? Das war gar nicht so leicht. Doch ich schrieb ihnen ein paar Worte des Mutes zu und wies sie auf Gott hin, der immer für sie da ist. Nach einigen Stunden des Schreibens verabschiedeten wir uns von den lieben Sekretärinnen von Julia. Als wir aus der Tür traten hatten wir Gänsehaut. Eine wunderschöne, ergreifende Erfahrung. Bewegt von all den Briefen, die Hand erschöpft vom Schreiben. Es fühlte sich unglaublich gut an Menschen etwas weitergegeben zu haben. Dieses Erlebnis ist immer noch mein absolutes Highlight der Reise.An den darauffolgenden Tagen besichtigten wir noch weiter die Stadt. Diesmal wollten wir es mit dem Fahrrad versuchen, was sich allerdings als völlige Fehlaktion erwiesen hatte, da man entweder fast von Rollerfahrern umgefahren wurde oder die Pflastersteine sich so holprig anfühlten dass der ganze Körper vibrierte. Also gaben wir es auf und liefen zu Fuß weiter. Wir wanderten zum Castel San Pietro und spazierten durch die engen Gassen, begleitet von Straßenmusikern. Doch noch schöner wurde es in den Abendstunden, wenn sich die ganze Stadt zusammenfand. Jeder genoss die warmen Sommerabende mit einem kühlen Getränk in der Hand. Und wir saßen bis in die Nacht in unserem Stammcafe, lernten Leute kennen, aßen Pasta und redeten Stunden über das Leben. Bis uns einfiel dass der letzte Shuttle zum Hotel bald fuhr und wir losrannten um nicht auf der Straße übernachten zu müssen :)))

Und ja, ich verliebte mich in die Nächte von Italien. In die Geschichten. In die Musik, die Menschen und das Essen. Und ich weiß dass ich eines Tages diesen Ort wieder aufsuchen werden. Doch bis dahin bleiben mir die Erinnerungen.

 

 

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