Liebesstrahl Gottes

Seid still und erkennet das ich Gott bin

Wochenende! Gäbe es eine Liste mit meinen Lieblingsworten, so würde dieser Begriff sicher nicht fehlen. Heute möchte ich einen Gedanken weitergeben, der mich am Wochenende eingeholt und ein wenig überrollt hatte. Aber ich berichte erstmal wie es dazu kam.

Eine turbulente Arbeitswoche lag hinter mir. Ich hatte Termine wahrgenommen, war Verpflichtungen nachgegangen und hatte Ziele verfolgt. Doch jetzt war erstmal Wochenende! Endlich mehr Zeit für Freunde, Familie und sonstige Vergnügungen. Der Samstag verflog sekundenschnell. Ich war viel Unterwegs, mal hier mal da. Die Welt drehte sich unfassbar schnell und ich versuchte Schritt zu halten. Mir fiel es noch nichtmal auf, dass ich immer schneller wurde.

Der Sonntag brach an. Der Ruhetag. Heute ging es wie gewohnt zum Gottesdienst. Etwas erschöpft vom Vortag blieb ich noch liegen, obwohl es bereits Zeit zum Aufstehen war. Dann musste ich mich heute eben ein wenig schneller fertig machen, dachte ich mir und schloss meine Augen für ein paar weitere Minuten. Natürlich war das ein schlechte Idee gewesen und ich brauchte genau so lange zum fertig machen wie sonst auch und kam in Zeitstress. Etwas zerstreut betrat ich die Kirche und suchte mir einen Platz. Erst nach einiger Zeit bemerkte ich einen gewissen Stresspegel in mir. Das war mir davor gar nicht aufgefallen. Doch ich dachte nicht länger darüber nach, denn schon begann die erste Predigt. Es wurde der Vers gelesen: Seid still und erkennet das ich Gott bin. Im ersten Moment stach für mich der Vers nicht besonders heraus, doch je öfter der Prediger diese Worte wiederholte umso mehr brannten sich diese in mir ein. Was hatte es damit auf sich? Wieso forderte uns Gott dazu auf stille zu werden? War ich denn so unruhig?

Ich musste über die letzte Woche nachdenken. Mein Alltag war vergleichbar mit einer Achterbahn, die ziemlich rasant auf und ab fuhr und die man schlecht bremsen konnte. Immer gab es Dinge zu erledigen oder Gedanken, die mich einnahmen. Selbst jetzt am Wochenende war ich nicht wirklich zur Ruhe gekommen. Sogar meine sogenannte “Stille Zeit”, wenn ich in der Bibel las und betete, war von Zeitdruck geprägt, fiel mir auf. Und wenn ich auf der Couch saß und mal nichts tat, war ich dann still? Oder hier im Gottesdienst? Ich fragte mich, welches Stille werden Gott hier wohl meinte.
Diese Frage ließ mich nicht los. Ich musste immeer wieder darüber nachdenken. Mir wurde klar, dass es noch ein ganz anderes stille werden gab. Mein Herz musste stille werden. Dazu musste ich erstmal die Welt um mich vergessen. Meinen eigenen Herzschlag wieder hören und vielleicht auch die Augen schließen. Wenn ich dann in Gottes Gegenwart trat, dann waren da nur ich und er. In Stille.
In solchen Momenten interessierten ihn nicht meine Familienumstände, mein Job oder meine Freunde. Er sehnte sich nur nach einen Moment mit mir. Mit mir allein. Doch wer war ich eigentlich ohne all das um mich herum? Irgendwie machte meine Persönlichkeit ja genau das aus, dachte ich mir.

Doch ICH ohne all das, war genug für ihn. Wow! Seid still und erkennet das ich Gott bin.

Wenn ich nun Stille geworden war, dann forderte Gott mich auf, IHN zu erkennen. Wer war er? Was waren seine Eigenschaften?
Was mir spontan einfiel: Er war die Liebe. Er war Treu. Er war Allmächtig. Er war der Friedefürst. Er war das Leben….Die Liste hätte noch lange weiter gehen können, aber allein das genügte schon um zu erkennen, dass ich zu oft vergaß wer er war.

Wenn er die vollkommene Liebe war, warum dachte ich manchmal, dass ich mir seine Liebe durch gute Taten erarbeiten konnte?
Wenn er für immer treu war, warum ereilte mich manchmal der Gedanke, dass ich zu schlecht für ihn war und er mich verlassen könnte?
Wenn er allmächtig war, warum machte ich mir um jede Kleinigkeit Sorgen und versuchte meine Probleme selbst zu lösen anstatt sie ihm abzugeben?
Wenn er der Friedefürst war, warum war mein Herz oft so unruhig?
Wenn er das Leben war, warum vergaß ich so oft ihm dafür zu danken, dass er mir das Leben geschenkt hatte?

Nun verstand ich, warum es so wichtig war stille zu werden. Wenn ich erkannte, wer Gott war, dann durfte ich feststellen, dass ich in ihm ALLES hatte. Das ging in meinem Alltag oft unter, weil ich gestresst war oder mich mit tausend anderen Dingen beschäftgte. Zu selten nahm ich die Fülle, die er mir anbot in Anspruch.

Ein stiller Moment mit Gott richtete mich wieder neu aus. Wie ein Kompass, der mich zurück auf Kurs brachte. Ich begriff, dass ich ihm einfach die Leitung überlassen durfte. Mich zurücklehnen, um gespannt zuzusehen was er vorhatte. Ich nahm mir vor, öfter Stille zu werden und zu erkennen dass er Gott war. Gott ist. Und Gott bleibt.

 

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